Projektträger
Grabenweger GmbH
Projektmanagement und Coaching
Measuring Social Capital

Projektleitung/Bearbeiter
Atticus Josef Grabenweger
Marc Bittner

Projektpartner
SWS – Sozialwissenschaftliche Studiengesellschafttein

Laufzeit

Juni-Oktober 2009

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teamsocialcap.at

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Abstract (70 KB, pdf)
Projektbericht Teil 1 (130 KB, pdf)
Projektbericht Teil 2 (94 KB, pdf)
   
   
 

Den „Kitt der Gemeinschaft“ messen
„Measuring Social Capital“ im urbanen Bereich


Gesamt-Bericht (Kurzfassung) der aktivierenden Sozialkapitalerhebung
im Wohngebiet Wien 3., „Fasanviertel“


Ausgangssituation

2001 hat die OECD das internationale Forschungsprogramm „Measuring Social
Capital“ initiiert. Auf Basis dieses Programms wurden in Österreich bereits
zahlreiche Messungen des Sozialkapitals durchgeführt.

Von Seiten der Wiener Gebietsbetreuung wurde das „Fasanviertel“ im
3. Wiener Gemeindebezirk für eine Sozialkapitalmessung ausgewählt.
Grund dafür war, dass die GB3 in diesem Stadtviertel eine Betreuungsinitiative
startet. Das „Fasanviertel“ ist innerhalb der Straßenzüge Landstraßer Gürtel –
Jaquingasse – Rennweg und der Schnellbahntrasse.

Was ist der Forschungsansatz im Detail?


Als Forschungsansatz dient das Indikatorensystem für schriftliche Befragung
gemäß dem internationalen OECD-Forschungsprogramm „Measuring Social
Capital“. Verbunden mit Testfragen nach Gesundheit, Befindlichkeit,
Lebensqualität, Sense of Coherence und sozio-ökonomischen Erfolgsmerkmalen.
Die Erhebungen wurden bei der Gesamtheit der Bürger (Wahlberechtigte) dieses
Stadtviertels durchgeführt und bewirken dadurch auch eine Bewusstseinsbildung
(aktivierende Sozialkapitalforschung).

Was ist der direkt ableitbare Nutzen für die Stadt Wien im Detail?

Man erfährt mehr über die Wirkung sozialer Einbindungen in Familien- und
Verwandtenkreis, Nachbarschaft, Freundeskreis, Vereine, Kirche und Politik
Ein Vergleich unterschiedlicher kommunaler Strukturen mit Stärken/
Schwächen-Analysen ist dadurch möglich.
Bei wiederholter Messung lassen sich direkt die Wirkungen von Maßnahmen
evaluieren.

Welche Größenordnung hat diese Sozialkapital-Messung?

In dem Stadtviertel erfolgte eine Totalerhebung. Es wurden alle
Bewohner/Wahlberechitgte ab dem 16. Lebensjahr schriftlich befragt.

Empirische Ergebnisse / Samplestruktur

Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse der statistischen Datenanalyse der
Sozialkapital-Messung im Fasanviertel dargestellt – ein separater, umfangreicher
Tabellenband gibt Aufschluss über Detailergebnisse.
Innerhalb der vorgesehen Rücklaufzeit des postalisch ausgeschickten Fragebogens
an 9.118 Haushalte im Fasanviertel konnten 748 Interviews für die
Datenauswertung berücksichtigt werden.
Somit ergibt sich eine Rücklaufquote von 8,2%.
Von den 748 RespondentInnen entfallen 62% auf Frauen, 38% auf Männer.

Sozialkapital

Mikroebene
Das Sozialkapital auf der Mikroebene, also nahestehende Personen, die in Krisen,
Schwierigkeiten und Notlagen helfen, denen man selbst auch helfen würden und
bei denen man ganz offen sein kann, ist bei 45% eher schwach ausgeprägt, bei
55% eher stark. Am häufigsten wird angegeben, dass es 4-9 solcher Personen gibt
(41%), gefolgt von 2-3 Personen (36%).
In diesem Zusammenhang wurden die RespondentInnen gebeten anzugeben, wo
sich diese nahestehenden Personen befinden: dabei zeigt sich, dass 89% meinen,
solche Personen in „Familie/Partnerschaft“ zu haben, 70% geben solche Personen
in Freundes- und Bekanntenkreis außerhalb des Fasanviertels an (im Freundesund
Bekanntenkreis innerhalb des Fasanviertels dagegen nur 23%).

Mesoebene
Das Sozialkapital auf der Mesoebene, also Menschen, die nicht so nahe stehen und
vertraut sind, mit denen man aber doch immer wieder zusammen kommt, ist bei
46% eher schwach ausgeprägt, bei 54% eher stark (also ganz ähnlich wie auf der
Mikroebene). Auffällig ist, dass die RespondentInnen in der Jacquingasse zu 69%
über ein starkes Sozialkapital auf der Mesoebene verfügen, während der
entsprechende Prozentsatz im Rest des Fasanviertels genau am Durchschnitt von
54% liegt.

Am häufigsten wird angegeben, dass es 11-30 solcher Personen gibt (35%),
gefolgt von 4-10 Personen (28%).
Auch hier wurden die RespondentInnen gebeten anzugeben, wo sich diese
Personen befinden: dabei zeigt sich, dass 51% meinen, solche Personen in
„Kollegenkreis“ zu haben, 42% geben solche Personen in der „entfernteren
Verwandtschaft“ an.

Zusätzlich wurde auch erhoben, wo sich dieser Bekanntenkreis befindet: Dabei
zeigt sich, dass sich diese Personen mehrheitlich außerhalb des Fasanviertels
befinden (72%). Mehrheitlich innerhalb des Fasanviertels befinden sich diese
Personen nur bei 5% der RespondentInnen.

Makroebene
Das Sozialkapital auf der Makroebene, also die Häufigkeit des Erlebens von
„starken Gefühlen“ der Begeisterung für eine große Sache oder eine große
Persönlichkeit bei Festen und Feiern, bei Zusammenkünften oder auch für sich
allein, ist bei 69% eher schwach ausgeprägt, bei 31% eher stark). Am häufigsten
wird angegeben, dass dies „ein paar Mal im Jahr“ geschieht (30%), gefolgt von
„ein paar Mal im Leben (27%).

Die in diesem Zusammenhang am häufigsten genannten Bereiche der
Verbundenheit mit geistigen Gemeinschaften und Ideen sind
„Kunst/Literatur/Musik“ mit 80%, „Beruf/Arbeit/Bildung“ mit 75% und
„Sport/Hobby“ mit 68%.
Die „Kirche“ schneidet mit 33% verhältnismäßig schlecht ab.

Vertrauen in Institutionen und demokratiepolitische Einstellungen

Betrachtet man die Mittelwerte zur Frage nach dem Vertrauen in Institutionen
auf einer Skala von 1-5 (1=sehr großes Vertrauen, 5=kein Vertrauen) wird
deutlich, dass die RespondentInnen dem „Bildungssystem“ das größte Vertrauen
ausgesprochen wird (2,65). Danach folgen „Krankenkasse/Pensionssystem“ mit
2,81 sowie „Politisches System im 3. Bezirk“ und „Justiz/Polizei“ mit jeweils 2,94.
Das geringste Vertrauen wird den Medien (Zeitungen/Fernsehen)
entgegengebracht (Mittelwert jeweils ca. 3,4).

Im direkten Vergleich von „Staatlichen Institutionen“, „Privatwirtschaftlichen
Unternehmungen“ und NGOs hinsichtlich des in sie gesetzten Vertrauens zeigt sich,
dass den NGOs das meiste Vertrauen entgegengebracht wird (2,24), gefolgt von
„Staatlichen Institutionen“ (2,87) und „Privatwirtschaftlichen Unternehmungen“
(3,12).

Die Wichtigkeit von Wahlen beurteilen die FasanviertlerInnen wie folgt:
Nationalratswahlen halten 75% für zumindest „wichtig“,
Gemeinderatswahlen“ 63%,
Wahlen zum EU-Parlament nur 53%.

Identifikation auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene

Hinsichtlich der persönlichen Identifikation wird deutlich, dass sich ca. drei Viertel
der RespondentInnen zumindest „stark“ als „ÖsterreicherIn“ fühlen (59% derer,
die als Herkunftsland Österreich angeben, aber nur 15% mit einer anderen
Herkunft);

als „EuropäerIn“ etwas mehr als zwei Drittel (RespondentInnen mit einer anderen
Herkunft als der österreichischen sogar ca. drei Viertel),
als „WienerIn“ 58% (RespondentInnen mit einer anderen Herkunft als der
österreichischen aber nur 42%) und
als „FasanviertlerIn 31% (dieser Nennungsanteil steigt signifikant mit einer
längeren Ansässigkeit der RespondentInnen im Wohnviertel).

Psychosoziale Befindlichkeit & Lebensqualität


Mehr als 80% der FasanviertlerInnen sehen zumindest „meistens“ einen
Lebenssinn bzw. –zweck (bei Selbstständigen tun dies sogar über 90%), nur 17%
erleben „öfter“ Enttäuschungen und lediglich 7% Unsicherheit in ungewohnten
Situationen.
Die aktuelle Befindlichkeit bzw. Gefühlslage beurteilen 42% mit „meistens fröhlich“,
34% mit „wechselnd“, 24% mit „fröhlich, ausgeglichen, glücklich“ und nur 1% mit
„immer unglücklich“.
Die Bewertung von bestimmten Aspekten des Lebens (auf einer Schulnotenskala
von 1-5) ergibt, dass lediglich 49% der RespondentInnen angeben, dass die
„Lebensqualität im Fasanviertel zumindest „gut“ ist (und zwar relativ unabhängig
von der Dauer der Ansässigkeit im Viertel).
Im Vergleich dazu wird die „Lebensqualität im dritten Bezirk“ von 68% als gut
beurteilt, die „Lebensqualität in Wien“ sogar von 79%.
Die schlechteste Bewertung erfahren die Bereiche der „finanziellen Verhältnisse
(Auskommen mit dem Geld)“, den nur 58% als gut einstufen, sowie
„Freizeitaktivitäten/Erholung/Sport/Hobbys“ (62%).

Epilog

Diese nun durchgeführte Sozialkapitalmessung soll eine der Grundlagen für die
Gemeinwesen- und Sozialraumarbeit der Wiener Gebietsbetreuung in diesem
Stadtviertel sein und nachhaltig zur Stärkung des Miteinanders und des sozialen
Zusammenhalts beitragen.

Umsetzungsmaßnahmen werden von der GB3/Stadterneuerung geplant und
durchgeführt. Das socialcap.at-Team wirkt hiezu beratend mit.

Um die Wirkung der durchgeführten Maßnahmen darzustellen (Evaluation) und
eventuelle Anpassungen der durchgeführten Arbeit (im Sinne eines lernenden
Systems) vornehmen zu können, ist eine weitere Sozialkapital-Erhebung in ca.
zwei Jahren zu empfehlen.


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